Berichte

2000

Powerman Zofingen 2009

Der 6. September zeigte sich in strahlendem Spätsommer-Wetter, etwas kühl, aber die Sonne schien und es versprach, ein herrlicher Tag zu werden. Ja, ja, ich weiss, Wetter ist langweilig. Aber dieses Wetter am Wochenende des Powerman in Zofingen ist sozusagen sensationell, um nicht zu sagen eine völlige Rarität und deshalb durchaus erwähnenswert. Was haben die Organisatoren diesen Powerman schon verschoben, um besseres Wetter zu kriegen, vom Mai in den Juni geschoben, dann den August ausprobiert, vom September wieder zurück zum August und jetzt wieder September. Selten war’s schön, oft war’s kalt, meistens nass und unfreundlich, so dass der Powerman Zofingen in den englischsprachigen Gebieten längst als „Showerman“ bekannt, um nicht zu sagen verschrien, war. Nun dieses Jahr hatten wir Glück. Wir, Andi Gilgen und ich, zusammen mit den anderen 242 Duathleten auf der Short Distance (10/50/5 km) und Beat Meier und weiteren 266 wirklichen Powermen und Powerwomen über die lange Distanz (10/150/30).

Die erste Laufstrecke hatte es gleich am Anfang in sich. Ich merkte schnell, dass Begriffe wie „flach“ und „eben“ hier völlig unbekannt waren, „hügelig“, „wellig“, „steil“, waren Wörter, die hier angesagt waren, die flachste Stelle war die Wechselzone, die man nach 5 km durchlief, um dann noch mal den Hügel hoch zu rennen und nach einigem Auf und Ab, schliesslich zum zweiten Mal in die Wechselzone einzulaufen. Endlich, ich durfte aufs Velo. Schuhe aus, Radschuhe an, Helm auf, Velo greifen und raus aus der Wechselzone. Aufsteigen und endlich, endlich die ersten Pedalumdrehungen. Ich griff zum Bidon, ernährte mich erstmal, atmete tief durch, um erstmal ein bisschen zur Ruhe zu kommen und richtete mich auf die nächsten 50 km ein. Die Richenthaler Höhe zog sich in die Länge. Wie ein langer Gliederwurm fuhren wir alle in vorgeschriebenem Abstand zueinander hoch, als plötzlich Motorräder um uns herumschwirrten. Pressefotografen sassen verkehrt herum auf dem Motorrad und stellten ihre Objektive ein. Es surrte hinter uns. Ich identifizierte akustisch ein Scheibenrad und erkannte, dass dieser Radfahrer äusserst schnell unterwegs sein musste. Schliesslich schoss er förmlich an uns vorbei. Es war Joerie Vansteelant, der Führende auf der Langdistanz und auf dem Weg, Weltmeister zu werden. Einige Minuten später, wir waren unterdessen auf dem Weg zum Bodenberg, hörte ich wieder das vertraute Rauschen der Scheibenräder. Es musste eine ganze Gruppe sein. Und tatsächlich, die Verfolger von Vansteellant rasten im Eilzugstempo an uns vorbei. Mein Tacho machte einen Aussetzer, ein Windstoss drückte mich an den Strassenrand, wie Pfeile, aerodynamisch absolut perfekt und unglaublich kraftvoll traten sie in die Pedale, es war eine Freude, ihnen zuzuschauen. Fantastische Sportler, die sich hier ein Duell lieferten und einander zu Höchstleistungen trieben. Bis zum Fuss vom Boowald fuhren immer wieder Elite-Duathleten mit ihren gelben Nummern an mir vorbei. War’s in der Steigung schon mehr als deutlich, wie gross der Unterschied vom Breitensport zum Spitzensport ist, verging einem bei der Abfahrt Richtung St. Urban richtiggehend Hören und Sehen. Während unsereiner mit „stolzen“ 50 bis 60 km/h durch die Gegend kurbelten, überholten uns die Spitzenathleten mit geschätzten 80 km/h.

Nach 50 Kilometern stellte ich mein Velo wieder ab, zog mir wieder die Laufschuhe an und nahm die letzen 5 km auf den Heiteren in Angriff. Ich hatte Mühe, realisierte aber, dass es meinen MitstreiterInnen sehr ähnlich ging. Auf dem ersten Kilometer liefen die Beine nicht. Wir mühten und kämpften uns die Anhöhe hoch und in den Wald hinein. Ich motivierte mich, indem ich mir vor Augen führte, dass ich jetzt noch anderthalb Kilometer vor mir hatte bis zum Wendepunkt, danach ging’s runter, nur noch runter. Also konzentrierte ich mich auf diese letzte Steigung, überholte und wurde wieder überholt, bis schliesslich der Wendepunkt kam. „Heitere Fahne“ rief ich und wandte mich dem abwärtsführenden Rückweg zu. Es war zwar auch nicht angenehm, die Muskeln waren erschöpft und konnten die Schläge nicht mehr aufnehmen, aber es brauchte etwas weniger Kraft. Ausgepumpt, müde und erschöpft, aber zufrieden und glücklich kam ich im Ziel an.

p.s. Joerie Vansteelant gewann die Powerman Long Distance Championsships überlegen mit neuem Streckenrekord in 6 Stunden und 11 Minuten, 16 Minuten vor dem zweitplatzierten Andy Sutz.

 

Von der LGN nahmen teil:

Andy Gilgen 2:57,16 h (Short)

Beat Meier 7:51,51 (Long)

Karin Kissling 2:59,05 (Short)

 

09/2009, Karin Kissling