Berichte

2000

Schneeschuhwanderung auf's Jänzi (7.3.09) >>> Weitere Fotos

Bei Topp-Wetterverhältnissen trafen sich 15 Personen um 11.00 Uhr am Busterminal in Olten für die Fahrt nach Glaubenberg. Unsere Präsidentin Evelyne Scheuss chauffierte uns mit sicherer und flotter Fahrt in einem Fiat-Personentransporter über die Autobahn via Luzern-Sarnen und die Glaubenberg-Passstrasse hinauf zum Ausgangspunkt in Langis.

Nach 1 ¼-stündiger Fahrt konnten wir endlich die Luft der tief verschneiten Winterlandschaft einatmen. Die noch „Schneeschuhlosen“ begaben sich vorerst ins nahegelegene Sportgeschäft und besorgten sich ein Paar dieser praktischen Fortbewegungsgeräte. Als Treffpunkt für alle fand man sich wieder bei der Kaffee-und Gipfeli-Verpflegung im darüberliegenden Bergrestaurant.

Nachdem sich alle gestärkt und das bekannte „Örtchen“ besucht hatten, ging es ab in den Schnee. Zuerst wurden verschiedene Montagearten der Schneeschuhe ausprobiert und getestet, bis dann endlich alle 30 Beine fest auf der Tretunterlage verschnürt waren. Evelyne gab noch ein paar wichtige Regeln an die Leute weiter, damit jeder wusste, wie er sich in der Natur zu verhalten hat.

Es war kurz nach 13.00 Uhr, als sich die 15-köpfige Karawane in Bewegung setzte. Zuerst führte eine Spur zwischen jungen Tannen und Föhren hindurch, querte eine Langlaufloipe und mündete dann auf den Winterwanderweg in Richtung Schwendi-Kaltbad. Dort angelangt, machten wir bei einer Eisskulptur einen kurzen Zwischenhalt, um sich der obersten Kleiderschicht zu entledigen und die ersten „Stockreparaturen“ zu beheben. Wie schwierig es war, mit den Schneeschuhen rückwärts laufen zu wollen, musste Erich erfahren. Mit dem Fotoapparat auf Augenhöhe verlor er das Gleichgewicht und setzte sich rückwärts in den, zum Glück, tiefen Schneeteppich. Die Kamera hielt er aber krampfhaft nach vorne, um sie nicht in der weissen Pracht zu verlieren. Das geglückte Kunststück wurde natürlich mit lautem Gelächter honoriert.

Nun aber ging es weiter dem Bachweg entlang gegen Hinteregg. Dazwischen mussten wir den Bach über einen schmalen Steg überqueren. Mit verschiedenen Balanceakten und zirkusreifen Einlagen meisterten alle das Hindernis des Tages. Eine kurze Zeit genossen wir die idyllische Bachlandschaft noch, dann aber ging es endgültig zur Sache. Ich bog rechts ab und stieg weglos eine steile Flanke hoch. Nach ersten kurzen Unmutsprüchen wurde es aber bald ruhig und jeder schritt in der Spur des Vorgängers, nach Luft ringend, durch die weiss glitzernde Bergflanke. Um den Puls wieder etwas zu beruhigen, traversierte ich entlang dem Schattenberg, bis ich auf die Spur hinauf zur Egg-Hütte traf. Je höher wir Richtung Jänzi stapften, desto grauer und verhangener zeigte sich der Himmel. Zwischen teilweise meterhohen Schneewänden kämpften wir uns durch den immer dichter werdenden Nebel. Da nirgends ein geeigneter Platz für eine Rast zu finden war, reihten wir uns wie auf einer Perlenkette entlang des Weges auf. Nach kurzer Verpflegungspause ging es munter weiter in Richtung Jänzi. Vorbei an der Egghütte und entlang des Gross Schlierental gelangten wir nach etwas mehr als zwei Stunden auf dem Gipfel des Jänzi auf 1‘737m. Leider ohne Fernsicht, denn der Nebel blieb hartnäckig. Nach Gipfelfoto und Eintrag ins Gipfelbuch schlug ich vor, die Mittagsrast etwas tiefer unten, an einer etwas windgeschützteren Stelle, zu halten. Abwärts laufen, springen oder rutschen im weichen und tiefen Schnee machte Spass. Hier konnte sich jeder selber einen Weg bahnen und seine Erfahrungen mit den Tücken der Schneeschuhe machen. So mancher musste zwischendurch mal den Schnee küssen....

An einer tiefergelegenen Alphütte trafen wir uns wieder und versuchten, für die Mittagsrast eine Sitzgelegenheit zu finden, was infolge der hohen Schneemassen nicht so recht gelingen wollte. So verspiesen wir unsere mitgebrachten Sandwiches im Stehen. Die kühle Witterung liess uns aber nicht lange rasten. Gestärkt für den Rest des Weges machten wir uns an den Abstieg nach Wolfetsmatt. Von hinten plötzlich Stopprufe, fragende Blicke zurück. Defekt an einem Schneeschuh, tönte es nach vorne. Dann sah ich Doris, wie sie einen Schneeschuh, respektive den übriggebliebenen Teil davon, über dem Kopf schwenkte. Ich sah mir diese Sache etwas genauer an. Die Bindung war total vom Schneeschuh abgerissen und konnte nicht wieder befestigt werden. Dank der Spende eines Hosengurtes und einer dünnen Schnur gelang es mir, den Schuh auf der Unterkonstruktion notdürftig zu fixieren. Doris musste nun mit vorsichtigen Schritten hinterher laufen.

Bei Wolfetsmatt begann der Weg wieder zu steigen und wir erreichten nach einigen Schweisstropfen durch den wunderschönen Schluchtweg in 25 Minuten wieder die Egghütte. Während des Getränkehaltes musste ich den Schneeschuh von Doris nochmals neu fixieren, denn die Schnur hatte sich an den scharfen Metallkanten durchgescheuert. Nun ging es in der Aufstiegsspur nach unten zurück zum Ausgangspunkt in Langis, wo wir nach insgsamt fünf Stunden eintrafen.

Nachdem die gemieteten Schneeschuhe und Stöcke im Sportgeschäft zurückgegeben waren, marschierte ein Teil zu Fuss, die anderen auf den Schneeschuhen die Passstrasse hoch zum Glaubenberg Passhöchi-Beizli, wo für uns ein feines Käsefondue zubereitet wurde. Bei gemütlicher Stimmung wurde über manches diskutiert und gelacht. Leider verflog die Zeit viel zu schnell und nach einem Glaubenberg-Kaffee machten wir uns bei sternenklarer Vollmondnacht auf den Rückweg zum Parkplatz.

Nach Scheibenkratzen aussen und Scheibentrocknen innen brachte uns Evelyne mit ihrem Bus wohlbehalten nach Hause zurück. Es war ein erlebnisreicher, spannender und wunderschöner Tag im Gebiet des Glaubenbergs. Ich hoffe, dass es nicht die letzte Schneeschuhwanderung war. Ich bin jedenfalls sofort wieder dabei.

 

Christian Schacher