Sonntag morgen. Mein dritter Weissensteinlauf lag vor meinen Füssen. Ich hatte etwas gemischte Gefühle. Ich habe dieses Jahr im Mai einen Infekt aufgelesen, der mich über 1 ½ Monate flach legte und mir sämtliche Kraft aussaugte. Ich habe lange Pause gemacht und erst wieder nach den Sommerferien mit dem Trainieren angefangen. Die erste Hauptprobe war der Belchen-Lauf, der mir eigentlich sehr gut lief.
Nun lag da die neue Herausforderung vor mir. Der Weissenstein-Berglauf ist die echte Herausforderung am Solothurner Hausberg. Ich startete mit Absicht in der 3. Staffel, da ich mich nicht bis aufs Blut ausgeben mochte. In zwei Wochen ist mein Höhepunkt, der Short-Distance Duathlon Powerman in Zofingen. Ich wollte den heutigen Lauf als Training absolvieren.
Es ist einmal ein anderes Gefühl, wenn man dafür in der ersten Reihe einer Staffel starten kann. 10.16 Uhr: Achtung, fertig, los! Ich merkte sofort, dass ich nicht die Führung beibehalten dürfte, da ca. 20 Mitläufer sehr schnell angingen. Mir wurde sofort klar, dass ich nur auf meinen Körper und meinen Rhythmus hören sollte. Schon nach 2 km hatte ich einige wieder eingeholt, die in der 3. Staffel sehr schnell gestartet waren. Ich lief mein Rennen. Ich lief locker in guten Zügen, Puls jeweils so um die 170. Bei km 5 sah ich vor mir Heinz Wälti, der in der 2. Staffel gestartet war. Ich hatte plötzlich immer mehr Läufer von der zweiten Staffel um mich herum. Das gab mir Auftrieb. Ich spürte, dass es mir für meine Verhältnisse gut lief. Ich wollte zu Heinz aufschliessen. War knapp 30 m von ihm entfernt und da kam die extreme Steigung bei km 6 bis km 9. Ich schaffte es nicht, zu Heinz aufzuschliessen. Ich überholte zwar einige. Heinz jedoch ist am Berg einfach sehr gut. Es wurde mir plötzlich klar, dass da noch 7 km vor mir lagen und ich mich wieder auf mein Rennen konzentrieren musste. Plötzlich war Heinz weg. Für mich ist Heinz der Held der LG Niederamt. Wie stark läuft er doch mit seinen über 70 Jahren. Der Speaker meinte im Ziel, dass Heinz der älteste Teilnehmer sei. Gratuliere Heinz. Wir dürfen stolz sein, einen solchen Läufer bei uns zu haben.
Plötzlich sah ich Wilfried Epprecht vor mir. Ich überholte ihn und wechselte kurz einige Worte. Ich wünschte ihm alles Gute und konnte mich leicht absetzen. Auf dem Nesselboden auf 1057 m.ü.M. kam eine kurze Erholungsphase. Ich konnte mich die paar Hundert Meter abwärts gut erholen, bis dann der eigentliche giftige Aufstieg bis zum Röti auf 1‘395 m vor mir lag.
Für mich war das Wetter ideal. Die Sonne schien zwar etwas stark, jedoch lag immer eine frische Brise in der Luft. Im Schatten des Waldes lag auch eine Spur Kraft in der Luft. Ich stellte mir Natascha Badmann vor, wie sie doch bei ihren extremen Läufen von den Vöglein sprach, die sie im Wald hörte. Ich hörte keine Vöglein zwitschern. Lag das wohl am warmen Wetter oder an meiner physischen Verfassung? Auf jeden Fall tat mir dieser Gedankengang gut. Ich hatte nie das Gefühl zusammenzubrechen. Schritt für Schritt steuerte ich dem Höhepunkt auf 1395 m zu. Das Keuchen und Schnaufen meiner Mitläufer wurde immer mehr hörbar in den engen Wegen nach der letzten Verpflegungsstelle. Kurz vor dem Waldausgang hörte ich einen Zuschauer zu zwei Frauen rufen: „Ihr seid die Frauen Nr. 37 und 38.“ Ich gratulierte den beiden mit den Worten: „Wow, so weit vorne möchte ich auch mal sein.“ Sie freuten sich sichtlich.
Nun lag noch rund ein km vor mir. Ich sah die herrliche Bergwelt und musste aufpassen, dass ich genügend auf den Boden achtete. Die letzten Meter abwärts sind immer gefährlicher. Die Beine sind müde und ausgelaugt, jedoch die Stimmung in mir wurde immer besser. Schon bald lag vor mir die letzte Steigung und die Zielstimmung spornte mich an. Ich konnte noch ganz wenig zulegen und mit einem Jupee war ich im Ziel.
Ein Blick auf die Zieluhr und ich wusste, dass ich ca. gleich schnell einlief, wie bei meinem vorletzten Weissensteinlauf. Mir wurde klar, dass nicht immer das harte Training entscheidend ist, sondern auch die mentale Verfassung. Und diese war an diesem Sonntag sehr gut.
Als Schlusswort möchte ich noch anderen Helden danken. All jene, die vor über 10 Jahren unsere Laufgruppe ins Leben gerufen haben. All jene, die auch heute im Vorstand oder als Leiter viel Zeit aufopfern, um das Vereinsleben aktiv zu gestalten. All jenen möchte ich ein Kränzchen winden. Ich will keine Namen nennen, da ich sonst jemand vergessen könnte. Aber bei diesem Berglauf wurde mir klar, dass es einfach super ist, in einer Laufgruppe zu sein. Freunde zu haben, die das gleiche machen und auch Spass am Laufen haben. Es gibt nichts Schöneres, als sich im Ziel unter Gleichgesinnten zu gratulieren, sich die Mühen und Freuden auszutauschen und schon bald wieder vom nächsten Lauf zu sprechen.
Ich danke allen, die so viel für unseren Verein tun.
Lostorf, 25. August 2009 --- Andy Gilgen
Teilnehmer Weissensteinlauf:
Andy Gilgen
Christian Schlosser
Heinz Wälti
Hanspeter Haas
Gerold Weibel
Zita Häfeli
Silvia Strub
Andrea Basler