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9. Jungfrau-Marathon vom 1.9.2001             

Über 3‘500 Läuferinnen und Läufer nahmen dieses Jahr "die schönste Marathonstrecke der Welt" unter die Füsse. Christian Schacher schildert seine Eindrücke über diesen herausfordernden Lauf:

Bei kühlen 12 Grad und dunkelgrau verhangenem Himmel startet um 9’45 Uhr die riesige Läuferschar mit dem Ziel Kleine Scheidegg! Trotz schlechtem Wetterbericht, mit vorausgesagten ersten Schneefällen bis 1‘800 m, ziehen es die meisten Wettkämpfer vor, im kurzen Laufdress die Strecke zu bewältigen. Meine Erfahrung sagt mir aber, dass heute lange Tights und ein langes Odlo Shirt von Vorteil sein wird. Auf einer Streckenlänge von 42.195 km sind total 1'821 Höhenmeter zu überwinden.

Nach einer 3-km-Startschlaufe durch Interlaken und das Städtchen Unterseen machen wir einen Abstecher zum Brienzersee. Durch Böningen hindurch - zwischenzeitlich hat es begonnen zu regnen - führt die Strecke weiter ins Lütschinental. Bei km 10 überqueren wir auf der überdeckten Holzbrücke die Lütschine bei der Kirche Steig.

Jetzt folgt die erste grössere Steigung als Anlauf zu den restlichen 1'800 Höhenmetern. Durch das langgezogene Berner Oberländer Dorf Gsteigwiler steigt die Strecke leicht an. Dann wird der Parcours wieder flacher, mit kurzer Cross-Strecke über Wiesland. Das Tal der weissen Lütschine wird jetzt eng, die Felsen immer höher. Durch eine schmale, applaudierende und anfeuernde Menschenallee durchlaufen wir Lauterbrunnen, kurz vor km 20. Wir befinden uns jetzt auf 800 m Meereshöhe, bisheriger Gesamtanstieg erst 280 m.

Eine erholsame 6-km Schlaufe durchs Lauterbrunnental, flankiert vom höchsten Wasserfall der Alpen, dem Staubbachfall, bringt uns auf der anderen Seite der Weissen Lütschine wieder zum Dorf zurück. Jetzt erst, bei km 26, beginnen die kräfteraubenden Steigungen. Durch 26 Serpentinen windet sich der Weg hinauf zum Bahnhof Wengen auf 1'274 m. Knapp 800 Höhenmeter sind geschafft, noch gut 1'000 m Gesamtanstieg liegen vor uns. Wengen-Allmend, der Beginn der Alpweiden, hier wird der Waldweg zum Bergweg. Nebelschwaden und tiefe Bewölkung nimmt uns die wunderschöne Aussicht nach links zur Eigernordwand und rechts zu Mürren und zum Schilthorn.

Bei km 35.5 wird der Weg plötzlich flach und für einen knappen Kilometer erholsam. Mettlenalp, aber noch immer nichts zu sehen vom berühmten Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau. Dafür ist das Krachen eines Eisabbruches und das Tosen von Lawinen nicht zu überhören. Plötzlich geht der Weg leicht abwärts zur letzten grossen Verpflegungsstation Wixi. Ein harter Anstieg ist bewältigt, das steilste Stück des ganzen Marathons folgt aber genau jetzt.

Wir befinden uns auf 2'000 m Höhe. Ein Blick hinauf zeigt mir das Bild einer immer weisser werdenden Berglandschaft. Erste Schneeflocken tanzen vor meinem Gesicht und lassen sich auf meinen immer steifer werdenden Armen nieder. Km 39, ich beginne zu marschieren, denn der Weg hinauf zur Gletschermoräne ist zu steil und zu morastig, um weiter im Laufschritt voran zu gehen. Einen Fuss vor den andern stellend, die Hände auf die Knie gestützt und kräftig abstossend steige ich den teils treppenartig ansteigenden Bergpfad zur Moräne hinauf. Die immer lauter klingenden Töne eines Dudelsacks zeigen mir an, dass der höchste Punkt des Marathons bald erreicht ist.

Endlich, aus dem Nebel schemenhaft erkennbar vor mir der Kulminationspunkt auf der Lauchernfluh, Höhe 2'203 m. Jetzt geht’s abwärts, dem Ziel auf der Kleinen Scheidegg entgegen. Die leichten Krampferscheinungen auf dem letzten Kilometer kann ich mit drei kurzen Dehnungspausen beseitigen. Halb durchgefroren, aber glücklich, über- schreite ich die Ziel-Linie als 231ster von 3'217 Finishern. Ein junges Girl, lächelnd und mich beglückwünschend, hängt mir eine Medaille um und drückt mir einen Trinkbidon in die Hand. Nach einer kurzen Verschnaufpause gehe ich ins Kleiderdepot, suche meinen Rucksack und begebe mich dann möglichst rasch zum Duschzelt. Länger als sonst üblich verweile ich unter dem Wasserstrahl, um meine halb eingefrorenen Gliedmassen wieder einigermassen aufzutauen. Später noch, beim Essen einer wärmenden Gulaschsuppe, sind Peter Brunner und ich bemüht, vor lauter Zittern die Suppe nicht zu verschütten.

Trotz allem, es war wieder ein super Erlebnis und eine tolle Stimmung auf der ganzen Laufstrecke. Alle Helferinnen und Helfer unterwegs waren überaus freundlich und hilfsbereit, ihnen gebührt ein spezieller Dank! Gerne werde ich am "schönsten Marathon der Welt" bei nächster Gelegenheit wieder dabei sein.

Ein sehr zufriedener und glücklicher Marathonläufer


Folgende Laufgruppen-Mitglieder haben den anspruchsvollen Marathon dieses Jahr bewältigt und können sich als Sieger fühlen:

  • Brunner Peter, Laufzeit: 4‘00’13, Rang 32. (M40)
  • Hausheer Cornelia, Laufzeit: 5‘23’56, Rang 127. (F20)
  • Häfeli Zita, Laufzeit: 4‘39’55, Rang 51. (F20)
  • Schacher Christian, Laufzeit: 3’54.08, Rang 20. (M45)
  • Schlosser Christian, Laufzeit: 3‘58’26, Rang 190. (M20)
  • Wälti Heinz, Laufzeit: 4‘38’54, Rang 17. (M60)

Details über den Lauf können sie dem folgenden Link entnehmen: www.jungfrau-marathon.ch

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