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10. Jungfrau Marathon "Jubiläumslauf"              

vom Samstag/Sonntag, 7./8. September 2002

Am 7. und 8. September wurde der 10. Jungfrau-Marathon in zwei Etappen gestartet. Zu seinem zehnjährigen Jubiläum wagt der Jungfrau-Marathon ein Experiment: Den Doppel-Marathon am Samstag und Sonntag. Dadurch konnte das normale Teilnehmerkontingent von 3‘500 verdoppelt werden. Unter den fast 7‘000 Sportlern waren auch 16 Mitglieder der Laufgruppe Niederamt am Start.

Foto der Jungfrau "BezwingerInnen" v.l.n.r: Ruedi Vögtli, Christian Schacher, Richard Wälti, Markus Isler, Martin Hürzeler, Heinz Wälti, Norbert Caspar, Adrian Steinbeisser, Christian Schlosser, Ivan Sapora, Edwin Bürge, Robert Graf (Autor Bericht), Zita Häfeli, Beat Stauber

Der Jungfrau-Marathon gilt als einer der härtesten Marathons Europas, sicher aber ist er einer der schönsten: Er führt von Interlaken auf die Kleine Scheidegg in 2‘061 Meter Meereshöhe - direkt unterhalb der Berggiganten Eiger, Mönch und Jungfrau: Dazwischen liegen 42,195 Kilometer und 1‘823 Höhenmeter. Der Lauf besteht eigentlich aus 2 Teilen, einem beinahe flachen von 26 km mit anschließendem Berglauf von 16 km. Gemeinerweise tritt also in jenem Bereich für den Läufer die höchste Belastung auf, in dem selbst auf flachen City-Marathons der berühmte Mann mit dem Hammer auf den Läufer wartet.

Nachdem bei uns auch der letzte Chip für die Zeitmessung im Tempo des Gehetzten montiert war, konnte der Start vor dem Grand Hotel "Victoria Jungfrau" bei prächtiger spätsommerlicher Witterung erfolgen. Der Lauf beginnt mit einer Runde durch Interlaken, dann geht es auf ebener Strecke Richtung Bönigen und Wilderswil. Beim Lauf durch die beiden Dörfer wähnt man sich an Volksfesten. Die Dorfmusik spielt am Strassenrand, eine Treichlergruppe bildet einen Spalier und lässt ihre Instrumente im Takt schallen, eine Rhythmusgruppe und die vielen klatschenden Zuschauer spornen uns Läufer an. Vor Gsteigwiler kommt der erste kurze Anstieg. Die Strecke bleibt nun hügelig und steigt während der nächsten 10 km bis Lauterbrunnen leicht an.

Nach der Halbmarathon-Marke können wir uns auf einer flachen Schlaufe von 5 km "ausruhen". Nach 26 km hat man das Gefühl, gegen eine Wand zu laufen; der Weg nach Wengen ist zwar kurz, aber der steile Anstieg ist mörderisch. Für den Grossteil der Teilnehmer ist in diesem Teil "Powerwalking" angesagt. Erste Krampferscheinungen machen sich bemerkbar und manch einer fragt sich bereits hier, warum er sich auf dieses Abenteuer eingelassen hat. In Wengen erwartet die Läufer eine phantastische Stimmung. Die Zuschauer feuern jeden Einzelnen an. Hier und in Lauterbrunnen herrscht eine Atmosphäre, die mir vorkommt, wie die Bilder von den Bergankünften der Tour de France. Bei so vielen Fans möchte man sich natürlich von der besten Seite zeigen. Zum Glück geht es im Bereich der grössten Zuschauerdichte leicht bergab. So versucht man locker und leichtfüssig die bereits reduzierte Vitalität zu überspielen.

Nach Wengen werden die Zuschauer wieder spärlicher, dafür bietet sich auf den folgenden Kilometern eine alpine Kulisse der Superlative. Wir laufen direkt gegenüber den Eisriesen Eiger, Mönch und Jungfrau und auch die Aussicht auf Mürren und die umliegenden Gipfel ist einfach traumhaft. Mir hat es besonders die schwungvolle Silhouette des Silberhornes angetan.

Von der letzten grossen Verpflegungsstation Wixi geht es dann wirklich ans "Eingemachte". Das steilste Stück des Marathons liegt vor uns. Die Bilder, die in der Werbung und in Zeitschriften von dieser Passage gern gezeigt werden, zeigen allerdings nur die letzten und leichteren 200 Meter an der Moräne des Eigergletschers. Bis dorthin führt der Weg steil über einen schmalen Bergpfad hinauf, der es in sich hat. Er ist steinig, stellenweise rutschig, und Überholen ist kaum möglich. Wenn man die Töne des bekannten Dudelsackspielers am Ende der Moräne hört, weiss man, dass man es geschafft hat. Eine kurze Steigung noch, eine Kurve mit grösserem felsigem Absatz, in der sich uns helfende Hände zur Sicherheit entgegenstreckten. Schliesslich gehts mehr oder weniger locker bergab zum Ziel. Auch dort hat es wiederum viele Zuschauer, welche die Marathonis mit viel Applaus und Anfeuerungsrufen empfangen.

Das Angenehmste nach dem Zieleinlauf sind wohl die Duschen. Die Organisation schafft es, heisse Duschen (kein lauwarmes Rinnsal) für alle Teilnehmer bereitzustellen, und das auf über 2‘000 Meter Höhe. Spitze! Die Organisation hat nicht nur deswegen ein grosses Lob verdient.

Nach und nach trafen unsere Kolleginnen und Kollegen ein. Leider musste ein Läufer von uns aus gesundheitlichen Gründen in Wengen aufgeben, was ihm sicherlich nicht leicht fiel. Natürlich haben wir trotzdem dort oben ein Bierchen oder zwei zusammen getrunken und von unsern Leiden und Glücksgefühlen gefachsimpelt. Nachdem alle einander wieder gefunden hatten, kehrten wir bei regnerischem kühlem Wetter mit der dicht gefüllten Bahn ins Tal zurück.

Obwohl mein linkes Knie nach dem Marathon ziemlich schmerzte, kann ich zusammenfassend feststellen, dass es für mich ein super-schönes Erlebnis war. Fast alles hat gepasst. Ich denke, wenn es irgendwie geht, bin ich im nächsten Jahr wieder dabei, am schönsten Marathon der Welt.

 

Resultate unserer Laufgruppenmitglieder:

  • Brunner Peter, Laufzeit: 4‘03’31, (M45)
  • Bürge Edwin, Laufzeit: 6‘01’06, (M55)
  • Caspar Norbert, Laufzeit: 5‘26’31, (M45)
  • Graf Robert, Laufzeit: 4‘47’18, (M45)
  • Häfeli Zita, Laufzeit: 4‘49’53, (F40)
  • Hausheer Cornelia, Laufzeit: 5‘13’45, (F20)
  • Isler Markus, Laufzeit: 4‘15’40, (M40)
  • Sapora Ivan, Laufzeit: 4‘17’44, (M55)
  • Schacher Christian, Laufzeit: 4’12’34, (M45)
  • Schlosser Christian, Laufzeit: 4‘00’46, (M20)
  • Stauber Beat, Laufzeit: 4‘44’22, (M20)
  • Steinbeisser Adrian, Laufzeit: 5‘32’07, (M50)
  • Vögtli Ruedi, Laufzeit: 4‘52’29, (M45)
  • Wälti Heinz, Laufzeit: 4‘51’55, (M60)
  • Wälti Richard, Laufzeit: 4‘03’35, (M40)

Genaue Resultate und Fotos sind via Link (siehe oben) auf der Jungfrau-Marathon Homepage ersichtlich.

Robert Graf, Winznau

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