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a.en-Team
mit fünf Mitgliedern der Laufgruppe Niederamt am Gigathlon
04
Treffend
sind Rilkes Worte auch nach fast 100 Jahren immer noch. Obwohl er
mit ihnen im Requiem für Wolf Graf von Kalckreuth keine Visionen
über Sportler und Sportlerinnen zum Ausdruck brachte, die beabsichtigen,
an einem zweitägigen Gigathlon teilzunehmen. Oder vielleicht
doch?
Dass Läufer oder Läuferinnen an einem Laufanlass starten,
ist nicht aussergewöhnlich. Aussergewöhnlich ist, wenn
sie an Wettkämpfen mitmachen, bei denen noch andere Disziplinen
zu meistern sind. Und das war am Gigathlon 04 vom
3./4. Juli mit seinen fünf Disziplinen der Fall.
Schon im letzten Spätsommer formierte sich eine Fünfergruppe.
Unser „Team of Five" bestand aus Nadja Künzli (Inline),
Isabella von Däniken (Schwimmen), Christian Schacher
(Laufen), Roger Schenker (Rennvelo) und Ruedi Künzli (Bike).
Diese Aufteilung ist nicht zufällig. Sie entspricht anderen
individuellen sportlichen Tätigkeiten der Teammitglieder.
Im Grunde war schon das Anmelden im Internet eine physische und
psychische Strapaze. Kurz nach dem Anmeldungsstart (31. Oktober
um Mitternacht!) auf der entsprechenden Site eingeloggt, die Daten
und Kreditkartennummer eingegeben, dauerte es fast anderthalb nervige
Stunden, bis die Bestätigung eintraf. Von da an wussten wir:
Gigathlon 04, wir kommen! Übrigens, am Morgen des 1. November
waren bereits alle Startplätze für die Kategorie „Team
of Five" vergeben. Der nachmitternächtliche Einsatz war
also nötig.
Klar war uns auch von Anfang an, dass ein zweitägiger Wettkampf
mit langen Tagen und kurzen Nächten auch ein sportliches Abenteuer
sein würde. Das auch mit seriöser Vorbereitung.
Nach Monaten der Vorbereitung und auch des Wartens fuhren wir am
Freitag vor dem Wettkampf nach Vicosoprano am Fusse des Maloja.
Eine schier unendliche Schlange von Fahrzeugen wälzte sich
über den Julier in Richtung Engadin. Es sollte in den folgenden
beiden Tagen noch einige Gelegenheiten für das Schlangestehen
und -fahren geben. In Vicosoprano standen zwischen Strasse und Bach
in grünen Matten bereits hunderte oranger Zelte. Es sollten
über 1500 werden, benutzt durch über 3500 Gigathleten
und Gigathletinnen. Das spätnachmittägliche Programm bestand
aus einem einstündigen Anstehen zum Einchecken, dem Aufbau
der Zelte und einer Materialkontrolle. Anschliessend Nachtessen
und Informationen zum Gigathlon in einem überfüllten Festzelt
und eine kurze Nacht(un)ruhe.
1. Tag: Tagwache für das ganze Team um 4.45 Uhr, anschliessend
Frühstück und Verpflegungstaschen fassen. Um 6. 30 Uhr
wurde Roger Schenker mit dem Startschuss auf die Velostrecke geschickt.
Während er sich im Gegenwind nach Maloja hinauf kämpfte,
baute der Rest des Teams die Zelte ab, verstaute das Material und
schob das Auto an, da die Batterie bereits aufgegeben hatte. Ein
Omen? Durchs Engadin und über den Albula konnte sich Roger
Schenker bis ins Ziel im vorderen Drittel des Feldes behaupten.
Das trotz einem bösen Sturz kurz vor der Wechselzone in Sils
iD. Die anschliessende Bikestrecke mit 99 km Länge und einem
Höhenunterschied von 2700 m war für den Schreibenden eine
freiwillig auferlegte Tortur. Er erreichte das Etappenziel am Caumasee
in Flims nach vielen Stunden Fahrt und einem Fussmarsch den Tomülpass
hinauf völlig ausgepumpt. Isabella von Däniken hatte lange
auf den Biker zu warten. Das im Neoprenanzug und unter der sommerlichen
Sonne. Wahrscheinlich war diese Leistung grösser als die beim
Abschwimmen der verhältinismässig kurzen Strecke (1,5
km) im Caumasee. Danach hatte Christian Schacher 40 km zu laufen.
Dabei überwand er auf dem Weg nach Bad Ragaz auch 1000 Höhenmeter,
überholte zahlreiche Konkurrenten und platzierte sich in den
ersten hundert Rängen, bevor er am Abend kurz vor zehn Uhr
Nadja Künzli auf die Inlinestrecke schickte. Zusätzlich
ausgerüstet mit Stirnlampe und Helmrücklicht erreichte
sie das 20 km entfernte Walenstadt nach schneller Nachtfahrt eine
knappe Stunde später. Dabei verlor sie auf die schnellsten
Skater bloss 10 Minuten. Und die konnten noch bei Tageslicht fahren.
Der Rest der Nacht musste reichen für Körperpflege (Nachtessen,
Douchen, Massage, Versorgung von Verletzungen) und einige wenige
Stunden Schlaf.
2. Tag: Um 5.45 Uhr holten die Wecker uns gnadenlos aus dem Schlaf.
Isabella von Däniken sollte bereits um 7.15 Uhr in den kalten
Walensee geschickt werden. (Wir andern hatten vorher unsere Ausdauer
in der langen Schlange bei der Ausgabe der Frühstücks-
und Verpflegungssäcke zu beweisen.) Die 3,5 km lange Schwimmstrecke
nach Unterterzen erwies sich wegen der Kälte des Wassers als
strapaziös. Nicht wenige Schwimmer und Schwimmerinnen mussten
wegen Unterkühlung aus dem Wasser geholt werden. Nicht so unsere
Schwimmerin. Nadja Künzli meisterte darauf die 22 km messende
Inlinestrecke nach Mollis trotz erheblichen Rückenbeschwerden
souverän. Dabei durfte sie einen 7 km langen Streckenabschnitt
auf der Autobahn zurücklegen. Die Glarner Behörden hatten
diesen verdankenswerterweise für den Anlass autofrei sperren
lassen. Anschliessend startete Roger Schenker mit einer Hüftprellung
und bandgiertem Knie und Ellbogen mit dem Rennvelo Richtung Arth-Goldau.
Als Haupthindernis erhob sich der streckenweise extrem steile Pragelpass.
Im zunehmend heisser werdenden Tag musste er bewältigt werden,
bevor nach 65 km an den Biker (Ruedi Künzli) weitergeben werden
konnte. Mit vom Vortag schweren Beinen und begleitet von einer gnadenlos
brennenden Sonne galt es fast 10 km am steilen Rossberg hochzukommen.
Nach einer erholenden Abfahrt nach Unterägeri lag noch der
Gottschalkenberg mit seinen zahlreichen Aufstiegen vor dem Etappenziel
in Samstagern. Dort übernahm Christian Schacher zur zehnten
und letzten Etappe. Auf hügeliger Strecke strebte er dem 31
km entfernten Zürich zu. Zweieinhalb Stunden nach dem Start
unseres Schlussläufers erwarteten wir ihn einige hundert Meter
vor dem Ziel. Mit dem gemeinsamen Zieleinlauf am <Züri Fäscht>
vor mächtig anfeuerndem und applaudierndem Publikum setzten
wir unserem Rennen den Schlusspunkt.
Wir hatten es geschafft, wir hatten es überstanden! Unsere
Gefühle: Freude, sogar Euphorie und auch Befriedigung.
Es war ein einmaliges Erlebnis am Gigathlon mitzumachen. Das trotz
und auch wegen des Umstandes, dass einzelne von uns die Grenzen
der Leistungsfähigkeit erreichten, sonnig heisse Bedingungen
herrschten und der Wind weniger für Abkühlung als zur
Steigerung der Anstrengungen in Form von Gegenwind beitrug. So gesehen
war die Autobatterie kein schlechtes Vorzeichen. Sie blieb schlussendlich
die einzige, die den zweitägigen Wettkampf nicht überstand.
Wir blicken dankbar auf einen aufwändig organisierten Sportanlass
mit optimal gesicherten Strecken zurück. Unser Dank richtet
sich an die Organisatoren, die zahlreichen Helfer und Helferinnen
und auch an die unzähligen Menschen unterwegs, die tolerant,
geduldig und auch anfeuernd auf Begegnungen und auch Behinderungen
reagierten. In unseren Dank einschliessen wollen wir auch ganz herzlich
die folgenden Firmen für ihre finanzielle und materielle Unterstützung:
Aare Energie AG (Olten), Clarus AG (Olten), Garage Küng AG
(Däniken), Brunner-Sport (Aarau).
Ob
wir wieder mitmachen würden, wurden wir schon gefragt. - Sicher!
Ruedi
Künzli |