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Schon
um 5:30 Uhr holt mich der Radiowecker aus dem Bett, danach ein kleines
Frühstück, Tasche fertig packen und ab zum Bahnhof - für
einmal mit dem Auto; wer weiss, wie es mir bei der Rückkehr
geht... Spätestens im Extrazug vom Zürcher Hauptbahnhof
nach Wollishofen knistert die Spannung in der Luft: Ein ganzer Zug
voll „Wahnsinniger"; viele haben ihre Familie dabei,
oder sonst jemand, der für die Betreuung auf den 42 Kilometern
zuständig ist.
Zähne
klappern im Startgelände: Der Lauf beginnt bei sehr tiefen
Temperaturen. Trotzdem entscheide ich mich, in kurzen Kleidern zu
laufen. Ein erster Gang zur Toilette, fast ohne Wartezeit, dann
die Kleider beim Güterwagenabgeben, nochmals zur Toilette -
und jetzt ist die Warteschlange so lang, dass sich die Frage „Einlaufen
oder nicht?" ganz von selbst klärt.
Schier
unglaublich, dieser Menschenstrom zum Startgelände! Schnell
einstehen, und schon gehts los; zuerst einmal im Schneckentempo
bis zur Startlinie, dann aber gleich zügig Richtung Stadtzentrum.
Die ersten Kilometer sind problemlos, auf allen Seiten Läuferinnen
und Läufer, ein richtiges Gewimmel. Weiter dem See entlang
Richtung Wendepunkt: Da kommt uns Viktor Röthlin entgegen;
viele drängen zur Strassenmitte, um bei der Kreuzung dem späteren
Sieger zuzujubeln.
Wendepunkt
in Meilen; eine fiese kleine Steigung führt durchs Festzelt,
mir läuft es nach wie vor gut. Kurz vor Kilometer 19 steht
mein Team am Strassenrand; ich lasse mir eine Portion Power (in
Läckerli-Form) geben, damit ich sicher genug dabei habe. Es
geht nun in ungekehrter Richtung dem See entlang zurück zur
Stadt, dann eine kleine Schlaufe zum Zürichhorn, schon sehe
ich die
Flagge
von Kilometer 33. Au weja: so weit bin ich ja noch gar nie gelaufen!
Bis hier hin haben mir die Sonntagsläufe der Laufgruppe die
Sicherheit gegeben, dass ich die Distanz drauf habe, aber nun spielen
mir Hirn und Beine einen Streich: Die unbekannten letzten Kilometer
sind die härtesten.
Die
Strecke führt nun kreuz und quer durch die Stadt, kaum weiss
ich mehr, in welche Richtung ich laufe. Und doch
geht es Kilometer um Kilometer vorwärts, schliesslich kommt
Kilometer 40 und damit die letzte Verpflegungsstelle; ich nehme
Cola - Zucker und Koffein für das letzte Stück, nachdem
ich zuvor jedes Mal den Wasserbecher gepackt habe.
Noch
zwei Kilometer: die Freude beginnt sich gegenüber der Erschöpfung
durchzusetzen. Längst ist jedes Trottoirrändchen zur Qual
geworden, da es einen allzu hohen Schritt verlangt! Dann ist der
Zielbogen in Sicht, und es bleibt nur noch Glück und Stolz.
Alles tut weh, aber alles tut gut.
Gemütlich
gehe ich Richtung Finisher-Zelt, da verlangt man von mir fast Unmögliches:
Stufen steigen - hoch aufs Podest, wo hilfreiche Hände den
Chip vom Schuh schneiden... Das weckt die Erinnerung an einen Moment
einige Kilometer vor dem Ziel, als sich ein Schuhbändel öffnete
und ich mich nur noch mit knapper Not bücken konnte, um ihn
neu zu binden!
Beim
Zug zurück nach Olten trifft sich zufällig ein Grüppchen
„Niederämter". Schon beginnt das Fachsimpeln, und
manch ein Satz beginnt mit „Beim nächsten Mal...".
Soll niemand behaupten, nach einem Marathon sagen alle „nie
wieder!".
Daniela
Moor |