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Zürichmarathon (4. April 2004)

 

Schon um 5:30 Uhr holt mich der Radiowecker aus dem Bett, danach ein kleines Frühstück, Tasche fertig packen und ab zum Bahnhof - für einmal mit dem Auto; wer weiss, wie es mir bei der Rückkehr geht... Spätestens im Extrazug vom Zürcher Hauptbahnhof nach Wollishofen knistert die Spannung in der Luft: Ein ganzer Zug voll „Wahnsinniger"; viele haben ihre Familie dabei, oder sonst jemand, der für die Betreuung auf den 42 Kilometern zuständig ist.

Zähne klappern im Startgelände: Der Lauf beginnt bei sehr tiefen Temperaturen. Trotzdem entscheide ich mich, in kurzen Kleidern zu laufen. Ein erster Gang zur Toilette, fast ohne Wartezeit, dann die Kleider beim Güterwagenabgeben, nochmals zur Toilette - und jetzt ist die Warteschlange so lang, dass sich die Frage „Einlaufen oder nicht?" ganz von selbst klärt.

Schier unglaublich, dieser Menschenstrom zum Startgelände! Schnell einstehen, und schon gehts los; zuerst einmal im Schneckentempo bis zur Startlinie, dann aber gleich zügig Richtung Stadtzentrum. Die ersten Kilometer sind problemlos, auf allen Seiten Läuferinnen und Läufer, ein richtiges Gewimmel. Weiter dem See entlang Richtung Wendepunkt: Da kommt uns Viktor Röthlin entgegen; viele drängen zur Strassenmitte, um bei der Kreuzung dem späteren Sieger zuzujubeln.

Wendepunkt in Meilen; eine fiese kleine Steigung führt durchs Festzelt, mir läuft es nach wie vor gut. Kurz vor Kilometer 19 steht mein Team am Strassenrand; ich lasse mir eine Portion Power (in Läckerli-Form) geben, damit ich sicher genug dabei habe. Es geht nun in ungekehrter Richtung dem See entlang zurück zur Stadt, dann eine kleine Schlaufe zum Zürichhorn, schon sehe ich die

Flagge von Kilometer 33. Au weja: so weit bin ich ja noch gar nie gelaufen! Bis hier hin haben mir die Sonntagsläufe der Laufgruppe die Sicherheit gegeben, dass ich die Distanz drauf habe, aber nun spielen mir Hirn und Beine einen Streich: Die unbekannten letzten Kilometer sind die härtesten.

Die Strecke führt nun kreuz und quer durch die Stadt, kaum weiss ich mehr, in welche Richtung ich laufe. Und doch geht es Kilometer um Kilometer vorwärts, schliesslich kommt Kilometer 40 und damit die letzte Verpflegungsstelle; ich nehme Cola - Zucker und Koffein für das letzte Stück, nachdem ich zuvor jedes Mal den Wasserbecher gepackt habe.

Noch zwei Kilometer: die Freude beginnt sich gegenüber der Erschöpfung durchzusetzen. Längst ist jedes Trottoirrändchen zur Qual geworden, da es einen allzu hohen Schritt verlangt! Dann ist der Zielbogen in Sicht, und es bleibt nur noch Glück und Stolz. Alles tut weh, aber alles tut gut.

Gemütlich gehe ich Richtung Finisher-Zelt, da verlangt man von mir fast Unmögliches: Stufen steigen - hoch aufs Podest, wo hilfreiche Hände den Chip vom Schuh schneiden... Das weckt die Erinnerung an einen Moment einige Kilometer vor dem Ziel, als sich ein Schuhbändel öffnete und ich mich nur noch mit knapper Not bücken konnte, um ihn neu zu binden!

Beim Zug zurück nach Olten trifft sich zufällig ein Grüppchen „Niederämter". Schon beginnt das Fachsimpeln, und manch ein Satz beginnt mit „Beim nächsten Mal...". Soll niemand behaupten, nach einem Marathon sagen alle „nie wieder!".

Daniela Moor

 
       
   
     
   
     
   

 

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