Dem
aufmerksamen Beobachter ist bestimmt nicht entgangen, dass am diesjährigen
Lauberhornrennen trotz Jubiläum und Riesenbrimborium des Schweizer
Fernsehens erstaunlich wenig Zuschauer an der Piste standen. Die
Ursache liegt darin, dass im Hasliberg ein weitaus spannenderes
und vor allem ein neuartiges Rennen stattgefunden hat. Nicht "Wengen",
"Kleine Scheidegg" und "Eigernordwand" waren
die Schlagworte des Wochenendes, sondern "Bidmi", "Wasserwendi",
"Planplatten" und "Glogghüs" waren die
Begriffe, die angesagt waren.
Die
Organisatoren des Zauberhornrennens hatten sich etwas ganz Besonderes
einfallen lassen, um die Bedingungen für die gestählten
Athleten zu erschweren. Während die Fahrer in Wengen auf glatten,
markierten Autobahnen ins Tal brausten, war unsere Piste stellenweise
vom Schnee befreit worden, und zwar tückischerweise hinter
Kuppen oder an anderen schwer einsehbaren Stellen, so dass Grasbüschel
oder Steine hervortraten. Die Routenwahl wurde so zu einem interessanten
Strategiespiel. Ausserdem war für das Rennen am Nachmittag
als zusätzliches Erschwernis Vollkornmehl (dies ergibt die
typische braune Farbe) in die Piste gestreut worden, so dass der
Schnee weich und schwer wurde. Hinterlistig waren auch die breitwürfig
gestreuten kleinen Steinchen, die als Belagtest ausgezeichnet taugten.
Zusätzlich wurden an strategisch wichtigen Punkten Kinder oder
andere unberechenbare Geister postiert. Ansonsten war das Rennen
ähnlich anspruchsvoll wie dasjenige in Wengen.
Zum
Rennverlauf: Alle Fahrer und Fahrerinnen gaben ihr Bestes, allerdings
gab es einige Zwischenfälle: Christians spektakulären
Abflug über die Spinsch-Kante haben leider nicht alle gesehen.
(Um Wiederholung wird gebeten.) Cedric war die Kleinigkeit entgangen,
dass ein Snowboarder an einem Ski-Rennen keine Startberechtigung
hat, Ruedi und Mägi wurden nach langer Diskussion wegen unkorrekter
Ausrüstung ebenfalls nicht zugelassen, da sie ihre Stöcke
vergessen hatten. Ebenfalls nicht klassiert wurden Remo und Martin,
weil die Zeitmessung nicht auf deren Tempi eingerichtet war und
die beiden nicht erfassen konnte. Ein Pilot der Patrouille Suisse
(die sich zuerst ans Lauberhorn verflogen hatte, schliesslich aber
doch ins Haslital gelangte) sagte auf Anfrage, er habe kurz zwei
Schatten aus dem Augenwinkel wahrgenommen, die sich mit annähernd
gleicher Geschwindikeit wie er bewegten, er habe dies aber als optische
Täuschung abgetan. Das Müggli-S meisterten alle souverän,
während der Begriff "Pfiel-S" mehr über unsere
aerodynamische, im Windkanal ausgetestete Haltung aussagte als über
den Kurvenverlauf der Piste. Tagessieger war derjenige, der den
"Häsli-Taxi"-Fahrer überzeugen konnte, uns mitzunehmen,
bevor wir im Schattenloch anfroren.
Die
anschliessende Rennbesprechung fand bei einem Gläschen Wein
(vom Sturz-Piloten gesponsert) im Bidmi statt, während uns
die letzten Sonnenstrahlen wärmten. Auch der weitere Verlauf
des Abends wurde besprochen, war er doch wichtig als Vorbereitung
für den zweiten Renntag:
Ruedi:
Und, wie sieht das Programm aus heute abend?
Roger:
Um sieben gibt's Food.
Ruedi: Und bis dahin?
Roger: Na, Non-Food.
Trotzdem
ist rasend schnell durchgesickert, dass im Massenlager um 18.00
Uhr mit Prosecco angestossen werden sollte. Wie von einem Magneten
angezogen, stellten sich alle pünktlich ein und wurden von
Evelyne und Christian bewirtet. Der Abend war damit eingeläutet.
Den Fondueplausch nutzten einige ehrgeizige Fahrerinnen, um mit
geschlossenen Augen und leicht schwankenden Bewegungen des Oberkörpers
die Strecke des morgigen Tages zu visualisieren.
Der
Sonntag machte seinem Namen alle Ehre, die Bedingungen wurden noch
etwas erschwert: ein paar Leute mehr, ein bisschen weniger Schnee,
dieser dafür unwesentlich sulziger, 23 Grashalme und 4 - 5
Steine zusätzlich. Das Wetter entschädigte aber eigentlich
für alles. Um nichts auf der Welt hätten wir uns das Skifahren
vergällen lassen. Gespannt beobachteten wir, wie sich das Nebelmeer
im Laufe des Nachmittags aus dem Brienzersee-Gebiet zurückzog
und schliesslich nur noch ein paar "Fäden" zurückliess.
Bei der Heimfahrt blieben wir dann im wahrsten Sinn des Wortes im
Nebel stecken.
Roger,
hier Dein bestellter Limerick.
Reimen muss er sich, das gibt den Kick.
Das Week-End war - ich glaube für alle - toll,
genauso wie Skifahren auch sein soll:
Lustig, gesellig und schliesslich... glücklich zurück!
Karin
Kissling
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| Das
Renngelände |
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Der
erste oder letzte Zuschauer |
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Rennbesprechung
(mit Zähneknirschen) |
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Ausgeklügelte
Rennverpflegung |
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Wo
gibt's hier den Prosecco? |
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Warten
auf die letzten Rennfahrer und -fahrerinnen |
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