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Tropfenzählersystem am Hallwilerseelauf eingeführt
14. Oktober 2006

Wenn der Begriff nicht dermassen unpopulär besetzt wäre, ich hätte den diesjährigen Bericht über den Hallwilerseelauf mit „Mein Kampf“ betitelt. Ich hatte keine Beine, nicht den passenden Kopf dazu, der Magen stellte sich quer, ich hatte dauernd das Gefühl, ich hätte Falten in der Socke und das Laufen komplett verlernt, zuwenig getrunken und zuviel gegessen oder umgekehrt, kurz: es war gar nicht mein Tag, oder ein „jour sans“, wie die Franzosen zu sagen pflegen, obwohl ich mich immer frage, ohne was denn eigentlich genau. Ich schleppte mich über die Strecke und versuchte dauernd, mein Gehirn irgendwie zu beschäftigen und abzulenken, was aber etwa der Aufgabe entsprach, ein verzogenes Kind irgendwie von seinem ursprünglichen Wunsch abzulenken und Alternativen anzubieten. So hatte ich zwischen km 18 und 19 eine Trotzphase durchzustehen, die mir von einer Kinderkrippe voller 3-jähriger tiefen Respekt eingebracht hätte. Ich wollte nicht mehr laufen, ich wollte endlich im Ziel sein. Es nutzte nichts, ich musste da durch. Ich hakte den Lauf als ein weiteres Steinchen im Mosaik der Lebensschulung ab und werde mich nur noch an das Positive erinnern.

Denn eigentlich war alles optimal: Das Wetter entsprach bestem Läuferwetter, nicht zu warm, nicht zu kalt, trocken. Das OK des Hallwilerseelaufs hatte seine Hausaufgaben gemacht: Es gab einen Chip an den Schuh, eine Matte am Start, eine in der Hälfte der Strecke und eine im Ziel, die „Finisher“-Weste bereits am Start, einen neuen Teilnehmerrekord (über 5400 TeilnehmerInnen), begeisterte Zuschauermassen beim Schloss und eine Startnummer mit dem Namen drauf, und... dafür war ich echt dankbar, einen Zieleinlauf auf Asphalt. Das Startprozedere erinnert stark an das Tropfenzählersystem beim Gotthardtunnel und hat die Kolonnen nicht aufgelöst, aber erträglicher gemacht.

Dazu gab es echte Highlights: 1. Die Mitglieder der Laufgruppe, die einen ermutigend und herzlich anfeuerten. Vielen Dank, das hat wirklich gutgetan. 2. Eine Episode: „... plötzlich ruft jemand hinter mir: Ist das Niederamt in der Schweiz? Es dauert einige Sekunden, bis ich merke, dass sich diese Frage auf mein Shirt bezieht, erkläre dem Laufkollegen, wo das Niederamt liegt und meine, dass er diese Frage streng genommen nicht auf schweizerdeutsch hätte stellen dürfen, wenn er davon ausgeht, dass sich das Niederamt im benachbarten deutschsprachigen Ausland befinde. Er sei aus dem Tösstal, erklärt er sich und erzählt, dass er jetzt zum 17. Mal hier sei und schon zum 22. Mal am Greifenseelauf, der eine aber nicht so schön wie der andere sei, und er eigentlich seine Teilnahmen an Läufen nicht zählen würde. Dann fragt er übergangslos und ohne Vorwarnung, ob ich einen Mixer dabeihabe. Ich gehe davon aus, dass ich die Frage nicht richtig verstanden habe und spare mir eine Antwort (wir laufen immer noch im Renntempo und mein Atem ist entsprechend kostbar). Er habe eine halbe Banane bei sich (er öffnet seine Hand und zeigt mir ein schwarzes, verknautschte Ding) und er möchte diese gerne mixen, sie rutsche dann einfach besser, womit er unzweifelhaft recht hat und beginnt, die Leute am Strassenrand anzuquatschen, ob sie denn nicht zufälligerweise einen Mixer bei sich hätten. Ich wünsche dem Laufkollegen, dass er Erfolg gehabt mit seiner Suche, ansonsten ich etwas besorgt davon ausgehen muss, dass der arme Kerl noch heute an den Gestaden des Hallwilersees herumirrt und in nicht allzu ferner Zeit wird das hartnäckige Gerücht umgehen, dass hie und da ein Gespenst mit Ostschweizer Dialekt aus den Nebeln des Hallwilersees auftaucht, zutiefst erschrockene Jogger und Hundehalter verzweifelt nach makabren Haushaltgeräten fragt und dabei traurig mit seiner Startnummer flattert.


Die Laufgruppe Niederamt lief (alle ohne Mixer):

Werner Brunner 2:01.18,2 als Guide

Rolf Humbel 1:49.45,9 in der Staffel

Sabina Kasper 2:02.34,2

Karin Kissling 1:53.49,5

Nadja Künzli, 1:49.22,6

Ruth Püntener 1:59.55,5

Fritz Ramseier 1:44.20,3

Beat Stauber 1:36.03,6

Bettina Siegrist 1:00.40,5 Walking

Schlittler Silvia 1:29.59,3

 

26.Oktober 2006 Karin Kissling

 

 

Beat

Karin

Nadja

Rolf

Ruth

 

 


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© Laufgruppe Niederamt – Release: 26.11.2005
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