Zürichmarathon
9. April 2006
Habe
ich genug trainiert?
Habe ich richtig trainiert?
Wie wird das Wetter?
Welches Shirt, welche Hose ist die richtige?
Werde ich mich wieder als Heldin fühlen, die einen Meter über
dem Boden schwebt?
Marathon – eine Selbstdisziplin: Die Lust, eigene Leistungsgrenzen
auszuloten, im Pulk oder ganz alleine.
Es sind viele Fragen, die ich mir vor dem Zürichmarathon jeden
Tag gestellt habe.
Am Tag meines Marathons war es kalt und regnete sehr stark. Der
Himmel war grau und wirkte trüb. Gutes Wetter zu laufen, dachte
ich mir schon am frühen Morgen um 5.00 Uhr, als ich den ersten
Blick zum Himmel warf. Aber ich hatte mich auf meinen zweiten langen
Lauf gefreut. Die Nervosität stieg von Minute zu Minute enorm.
Endlich viel der Startschuss.
Bald ist es mir warm geworden, ein regelmässiger akustischer
Rhythmus aus Schrittfolge und Atmung hatte sich eingestellt, der
Kopf ist frei geworden. Ich konnte mich ungestört dem rhythmischen
Wechselgeräusch des Laufens hingeben. Es machte sich eine friedliche,
fast meditative Stimmung bereit, ein Glücksgefühl kam
auf. Von der einfallsreichen Unterhaltung, der Guggenmusik, natürlich
den ZuschauerInnen,....liess ich mich ständig neue überraschen.
In Meilen durch das prallgefüllte Zuschauerzelt zu rennen war
ein wunderschönes Gefühl. Alle jubelten, schrien, klatschten
und lachten!
Zweimal auf der Strecke jubelten mir „Fans“ der Laufgruppe
zu. Super! Herzlichen Dank.
Dank der ständigen Energiezufuhr spüre ich keinen Leistungseinbruch.
Auch dieser Marathon öffnete bei mir das Tor zu grossen Gefühlen.
Ich fühlte mich beflügelt. Ich federte über den Asphalt.
Die Beine – ich fühlte sie nicht mehr. Ich glaubte wirklich
zu fliegen. Der Atem ging gleichmässig, ich spürte ein
angenehmes, rhythmisches Gleichmass. Wie stark ich mich fühlte,
wie leicht, wie elastisch, wie frisch. Ich lächelte vor Glück.
Marathon ist eine ganz besondere Erfahrung. Diese Erfahrung ist
total. Beim Marathon stosse ich an meine physischen Grenzen. Trotzdem
ist Marathon vor allem ein psychisches Abenteuer. Eine Herausforderung
an meine eigene Bequemlichkeit. Ein quälender Kitzel, in sich
hinein zu laufen, um sich selber kennen zu lernen.
Sandra Wyss
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