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Zum
fünfzigsten ein Marathon!
Ich betreibe seit jungen Jahren, je nach Gesundheit, mehr
oder weniger Sport. Handball und Fussball waren die Lieblingssportarten
in meiner Jugendzeit, doch Verletzungen und Abnützungen
liessen diese Sportarten nicht mehr zu. Nach längerer
Sportabstinenz entdeckte ich die Liebe zum Laufsport. Er ermöglicht
mir insbesondere, individuell zu trainieren, was ich sehr
schätze. Zum Ausgleich und um die Gelenke zu schonen,
fahre ich auch regelmässig Velo.
An Laufsportveranstaltungen teilzunehmen, war nach meinem
Neubeginn kaum zu denken, ich war schon froh, längere
Trainingseinheiten ohne Schmerzen absolvieren zu können.
Mit der wieder gewonnen Ausdauer, kamen auch erste Gelüste
über eine Teilnahme an Läufen auf. Ohne mich von
einer gewünschten Zeit unter Druck setzen zu lassen,
absolvierte ich in den vergangenen Jahren Läufe bis zum
Halbmarathon.
Vor wenigen Monaten, an unserer Klassenzusammenkunft, beschlossen
zwei Schulkollegen und ich, uns zum fünfzigsten einen
Marathon zu leisten. Wann und wo legten wir noch nicht fest,
doch der Berlin-Marathon war unser Favorit. Anfang Jahr kamen
plötzlich Zweifel auf, kann ich eine solche Distanz überhaupt
laufen? Wie trainiere ich? Wie verpflege ich mich? Welches
Tempo schlage ich an? Sollten wir diese Erfahrung nicht in
der Nähe machen?
Die erstbeste Gelegenheit ergab sich beim diesjährigen
Zürich-Marathon. Obwohl uns (nur noch zu zweit) die Zeit
nicht mehr reichte, um ein gezieltes und aufbauendes Training
durchzuziehen, waren wir guten Mutes, die Distanz durchstehen
zu können. Was ich nicht so gut einschätzen konnte,
war die Laufzeit, doch unter vier Stunden sollte sie schon
liegen.
Eine weitere Ungewissheit stellte die Verpflegung dar. Ich
war mir nicht gewohnt, während eines Laufes die unumgängliche
Nahrung aufzunehmen. Somit wusste ich auch nicht, wie mein
Magen auf Bananen, Gel, Riegel und Sportdrinks reagieren würde.
Der Lauf:
Zu Beginn des Laufes versuchte ich, kein zu hohes Tempo anzuschlagen.
Dies ist mir dank der Pacemaker recht gut gelungen. Die ersten
beiden Viertel lief ich genau gleich schnell. Verpflegt habe
ich mich regelmässig mit kleinen Bananenstücken
und Wasser. Bis zu Kilometer 35 wurde ich etwas langsamer,
fühlte mich aber der Distanz entsprechend immer noch
recht gut. Nun wurden die Beine aber schwer, die Schritte
kürzer und die Muskelschmerzen nahmen rasch zu. Dank
der tragenden Zuschauermasse in der Zürcher Innenstadt
und der tollen Unterstützung von Evelyne, Christian,
Monika, Däty, Corina und Adrian überstand ich auch
noch das letzte Viertel ohne zu gehen. Dennoch kamen auf den
letzten Kilometern Gedanken über Sinn und Unsinn von
solchen Strapazen auf. Doch diese waren kurz nach dem Zieleinlauf
wie weggeblasen und es kamen, trotz grosser Müdigkeit,
wunderbare Glücksgefühle auf. Das Ziel, den Marathon
unter vier Stunden zu Laufen, habe ich mit 3.42.50 mehr als
erreicht. Übrigens, mein Schulkollege Peter H. erreichte
die tolle Zeit von 3.27.30.
In den folgenden Tagen machte mir das Gehen und Aufstehen
grosse Mühe, doch nach etwa fünf Tagen war der Muskelkater
wieder verflogen.
Der Marathonlauf von Zürich war für mich ein tolles
Ereignis bei absolut idealen Bedingungen. Trotzdem werde ich
bestimmt kein regelmässiger Marathonläufer, bin
aber derart begeistert und auch motiviert, um noch in diesem
Jahr am Berlin-Marathon teilzunehmen. Ich freue mich bereits
jetzt darauf und hätte niemals gedacht, dass ich mit
50 gerade zwei Marathonläufe absolvieren würde.
Fritz Ramseier
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